Mission Pinpoint

  • Ein detailliertes Debriefing wird von Pitbull erstellt, deshalb nur vorweg ein paar Eindrücke.


    Ein Einsatz, wie man in besser nicht in Szene setzen kann. In ihm stimmte alles. Beispiel das Wetter, wie man es realistischer nicht machen kann, damit hast du bis jetzt alles dagewesene übertroffen.


    Human ATC ist ja schon fast Normalität und doch etwas besonderes.


    Am besten fand ich den Aufklärungsflug, der die Ziele selektierte und über den ATC, der jetzt zu einer Art FAC wurde, die Striker einsetzte. Auch wenn beim ersten Run nicht alle Ziele zerstört wurden, auch das wurde in einem zweiten Überflug unter heftigem Beschuss durch die AAA erfolgreich aufgeklärt und an den Backupflight übermittelt, der dann die Ziele gänzlich in Schutt und Asche legte. :8:


    Hier das Zerstörungsbild, der 3 selektierten Shelter.


    Alle heil zurückgekommen

  • Hier noch mein Debriefing, für einmal aus einer etwas anderen Perspektive:


    Immer noch verschwitzt stieg ich die steile Treppe vom Tower Aviano hinunter. Was ich in dieser Nachtschicht im Approach Sektor erlebt habe, hätte ich im Traum nicht gedacht. Kurz vor Schichtende starrte ich müde auf den Radarscreen und war in Gedanken schon auf dem nach Hause Weg, als sich plötzlich EAGLE21 auf meiner Frequenz meldete.


    „EAGLE21, two ship F16, 50 miles southeast of the field for landing.“


    Stimmt. Nach meiner Pause um 0500 Uhr sagte mir mein Kollege, dass gerade noch 8 F-16 Richtung Adria für einen Spezialeinsatz gestartet seien. Die kommen wohl jetzt wieder zurück.
    Ich versuchte mich mental wieder wach zu machen und führte den EAGLE-flight direkt Richtung Base Runway 05. Kurz darauf kam schon der nächste Flight auf meine Frequenz.


    „Aviano Approach, GHOST31 two ship F16, request vectors for landing and we are short of fuel“.


    Die GHOSTs passten perfekt in die Sequenz und so führte ich sie knapp hinter den EAGLE-flight zur ILS 05. Jetzt einfach keinen Fehler machen und nicht unnötig Meilen verschenken, dann reicht es für die GHOSTs ganz gut bis zur Landung.
    Kaum hatte ich mir diese Situation zurecht gelegt, kam schon der nächste Check-in auf der Frequenz.


    „Aviano Approach, COBRA11 two ship F16 for landing with critical fuel state, please no further delay!“


    Jetzt war ich definitiv wach und mein Adrenalinspiegel stieg deutlich an. Im Flugplan sah ich, dass die COBRAs Doppelsitzer waren und die durften jetzt wirklich nicht in’s Holding. Ich drehte die COBRAs hinter die GHOSTs, liess sie sofort absinken und dachte mir, dass nun vorne bei den EAGLE und GHOSTs nichts schief gehen darf, sonst würden mir die Jets gleich reihenweise mit leerem Tank vom Himmel fallen.
    Vorsichtshalber erweiterte ich die Range am Radar um zu schauen, was denn da alles noch daher kommen könnte. Nicht sonderlich überrascht entdeckte ich ca. 15 Meilen hinter den Doppelsitzern BLACK42, welcher einen unheimlich grossen Geschwindigkeitsvektor angezeigt hatte. Er hatte es wohl sehr eilig und es erstaunte mich daher nicht, als sich kurze Zeit darauf BLACK42 mit folgendem Spruch anmeldete.


    „Aviano, BLACK42 single F16, request immediate landing, I have only 800 pounds fuel left!“


    Der Plan war nun schnell klar. Niemand konnte in’s Holding, kein Flugzeug konnte aufgrund der Position vorgezogen werden und alles musste nun perfekt aufgehen! Go around war keine Option!
    Alle auf der Frequenz spürten nun förmlich, dass jetzt trotz einem langen und ermüdenden vorhergehenden Einsatz höchste Konzentration gefordert war.
    Im Sekundentakt schossen meine Anweisungen in den Äther und diese wurden ebenso zackig von den Piloten bestätigt. Alles funktionierte wirklich wie am Schnürchen und trotz der situationsbedingten Anspannung, blieben alle auf der Frequenz ruhig und gelassen.


    Nach 20 Minuten war der ganze Spuk vorbei, sieben F16 landeten sicher auf der Aviano Airbase und kurz nach dem letzten Touchdown setzte sich meine Ablösung an den Radar-Arbeitsplatz, kramte die Morgenzeitung hervor und richtete sich gemütlich auf die Wartezeit bis zur ersten Outbound-Welle in einer Stunde ein. Ich schüttelte verwundert den Kopf und verliess erschöpft den Kontrollraum.


    Ich konnte jetzt nicht nach Hause fahren und so begab ich mich direkt zur kleinen Bar direkt neben dem Ausbildungsgebäude, wo ich die Piloten der 47th DragonFighter vermutete. Ich musste jetzt unbedingt erfahren, weshalb diese Teufelskerle mitten in der Nacht einen so anspruchsvollen Flug absolvieren mussten.


    In der Bar sass bereits Viper alias EAGLE21. Bei einem kühlen Morgen-Bier erzählte er mir, dass sie kurz vor fünf Uhr Richtung Bihac geflogen sind. Dort wurde zuerst mal der Reihe nach ein Air to Air Refuelling durchgeführt. Auf Bihac vermutete man in Bunkern eingelagerte, geheime, balburische Lenkwaffen, die in einer Spezialoperation vernichtet werden sollten.
    Als erstes mussten die COBRAs im Tiefstflug und unter AAA-Beschuss einen Recon durchführen, um herauszufinden, welche Bunker zerstört werden mussten. Die so designierten Ziele wurden dann von den EAGLE und GHOSTs mit GBU-39 beschossen und danach mussten COBRA11 und COBRA12 nochmals ins Zielgebiet für einen BDA. Dieser ergab, dass ein zweiter Bomb-Run nötig war, der dann auch perfekt von den Strikern durchgeführt wurde. Während der ganzen Zeit flog BLACK42 südwestlich des Zielgebiets einen CAP und sicherte so den Luftraum.


    Die ganze Aktion war bis ins Detail durchgeplant und Dank der professionellen Ausführung aller Beteiligten war die Mission ein voller Erfolg.


    Ich war hell begeistert von seinen Erzählungen und staunte, wie es möglich ist, nach einem 2 stündigen Flug noch einmal die volle Konzentration für den ILS-Anflug in schlechtem Wetter aufzubringen. Respekt.


    Mit einem riesen Lächeln im Gesicht verliess ich so gegen 0800 Uhr die Bar und freute mich schon auf den nächsten Einsatz mit dieser tollen Truppe!


    Gruss
    Pitbull

  • Tolles Debriefing, liest sich super. 8)


    Ergänzung zum Black4 Flight:


    Nach dem Ausfall des Leads musste der Wing kurzerhand den Flug übernehmen. Voller Adrenalin ging es nach der erfolgreichen Betankung in den CAP. Im nachhinein hätte man komplett unaufgeregt die Sache abspulen können, aber eine feindliche MIG war ihm persönlich zu nahe an den Jungs. Obwohl die MIG immer abdrehte wurde einmal unnötig aggressiv ins Geschehen eingegriffen.


    Zum Glück ohne gegnerischen Angriff, das hätte auch ins Auge gehen können!


    Bei der Heimkehr wurde anhand HomeCrus kontrolliert Zeit aufgeholt und unter perfekter Anweisung mit 600 Pfund gelandet.


    Danke Pitbull das war ein absolutes Highlight! :8:

  • Debriefing
    Cobra Flight


    Die AFB Aviano
    verschwand schnell im Dunst als wir vor dem Morgengrauen in die tief aufliegende
    Stratusbewölkung eintauchten. Nach kurzer Zeit folgte mein Fügelmann Rabbit mir
    auf den neuen Steuerkurs 107° um dem entsprechenden SID (Standard instrument
    departure) "RIV 2A" zu folgen.

    Wir stiegen auf Flugfläche 250, flogen kurze Zeit durch den slovenischen Luftraum
    bevor wir schließlich in croatisches Hoheitsgebiet einflogen und uns somit dem
    balburischen Kleinstaat annäherten. Wir nahmen Verbindung mit unserem
    zugewiesenem HQ Controller Orca auf, welcher uns wenig später zur
    Treibstoffaufnahme in den Tankertrack einer über der Adria operierenden KC-10
    beorderte.

    Das Refueling klappte trotz des unbeständigen Wetters ohne Probleme und wir konnten
    wenig später in einen zugewiesenem Orbit unsere Warteschleifen drehen.

    Gegen 0540 bekamen wir vom HQ die Genehmigung zur geplanten TOT in das Zielgebiet einzufliegen.
    Unsere Aufgabe bestand darin die Ziele zu sondieren. Der Geheimdienst hatte rausbekommen, dass die Balburen
    entgegen internationaler Vereinbarungen spezielle luftgestützte Zielflugkörper,
    ähnlich der Harpoon, in ihr Waffenarsenal aufgenommen hatten. Diese galt es zu
    vernichten. Als einziges Trägerflugzeug der Balburen kam die J-11 in Frage und
    so hatte unser Flug die Aufgabe festzustellen, vor welchem Shelter auf der AFB
    Bihac eben J-11 standen. In dem entsprechendem Shelter mussten lt. der Aufklärung
    die Zielflugkörper gelagert werden.


    Die Wetterbedingungen waren alles andere als ideal. Die Sichtweite ging teilweise
    auf wenige hundert Meter zurück. Dies offenbarte sich insbesondere, als Rabbit
    und ich für den Zielanflug versuchten unter die Wolkendecke zu sinken. Unser
    Recon musste nicht nur wegen des Wetters tief durchgeführt werden. Bihac wurde
    auch durch eine SA-5 abgeschattet.

    Gespannt beobachtete ich das Rotieren meines Höhenmessers, aber die Sicht blieb
    weiterhin bei Zero Zero. Ich konnte es mir in der Situation nicht leisten meine
    Position auf der Karte zu plotten und so fragte ich den AWACS Controller nach
    der Sicherheitshöhe auf meiner Position. Die Antwort war nicht gerade beruhigend.
    Er meldete eine Save altitude von 6100 Fuß... wir befanden uns bereits bei rund
    3000 Fuß...

    Endlich bekamen wir leidliche Bodensicht, aber das war dann auch schon alles.
    Mit 400 knt rasten wir durch die Nacht, wichen Bäumen aus und hofften, dass nicht
    unvermittelt ein Bergmassiv vor uns erscheinen würde. Nach einer gefühlten
    Ewigkeit verbesserten sich allmählich die Sichtbedingungen und wir konnten
    aufatmen. Wir mussten Bihac etwas im Süden runden um uns auf einen guten
    Anflugvector für den Recon zu begeben. Schließlich konnten wir pünktlich um
    0600 den Flugplatz überfliegen. Schlafmützen waren die Balburen nicht, denn
    augenblicklich erwachte die Flugabwehr zu Leben.

    Im Low Level, 500 Knt Speed und mächtig viel Leuchtspurmunition in der Luft war es
    nicht gerade einfach sich auf den eigentlichen Recon zu konzentrieren.

    Wir schafften es die Ziele zu bestimmen, flogen aus und unterrichteten Orca über
    das Ergebnis.


    Das HQ beorderte darauf hin den Eagle und den Ghost Flight zum Bombenanflug auf die
    designierten Ziele.

    Wir gingen derweil wieder zurück zum Tanker, denn die Block 52D war nur mit einem
    Centerline Tank bestückt. Nach dem Refuel beorderte uns Orca wieder in das
    Zielgebiet um einen BDA (battle damage assessment) durchzuführen. Unter
    schweren Beschuss der AAA gelang uns auch dies und wir mussten die Meldung
    absetzten, dass bei zwei Zielen noch einmal nachgebessert werden musste.

    Die Striker flogen erneut ein und erledigten die Sache.
    Das HQ verzichtete zum Glück auf einen weiteren BDA und so brauchten wir nicht zum
    dritten Mal an diesem Morgen zum Tanker. Wir stiegen für den Heimflug auf spritsparende
    36.000 Fuß und entspannten uns erst einmal.

    Spannend wurde dann aber doch noch einmal die Landephase.
    Die Wolken hingen noch tiefer bis rund 500 Fuß über den Boden. Bis dahin war es
    ein absoluter Blindflug. Dank ILS und natürlich der professionellen Hilfe der
    Anflugkontrolle, konnten alle einkommenden Flugzeuge sauber gestaffelt werden
    und ohne Verzögerungen landen.


    Herzlichen Dank an Pitbull für diesen sehr spannenden Einsatz. Pitbull übernahm die
    Aufgabe der ATC Aviano, sowie des HQ Orca. Outstanding Job.


    Aber auch Kompliment an alle Piloten! Unter diesen schwierigen Bedingungen haben alle
    ihren Job hervorragend erledigt und sind sicher wieder gelandet.


    Good Job! :8:


    Auf dem Hinweg hatten wir selbst in 25.000 Fuß Höhe noch eine bedrohlich wirkende Wolkenschichtung über uns.



    Harrry, alias Black4 hängt am Boom. Wir erreichen gerade den Tankertrack


    Zweites Refueling nach Sonnenaufgang, Rabbit am Boom





  • Das besondere Debriefing von Pitbull passt zum Einsatz, einfach beides wie es besser nicht geht. :8::8::8:


    Als Sahnehäubchen dann noch Bumis Debriefing, mit interessanten Details zum Einsatz, liest sich so, was man am Funk gehört hat, wird jetzt mit Bilder versehen, als wäre man selbst beim Cobraflight mitgeflogen. :8::8::8:


    Ein wirklich ganz besonderer Einsatz, der sich in meine sogenannten "Falcon Sternstunden" nahtlos einfügt.


    Wenn immer einmal wieder solche Einsätze kommen, dann fliegt die 47th noch in 20 Jahren. Ich schau dann von ganz ganz oben zu. :9:

  • Weshalb Steigerung, das hohe Niveau unsrer TE's bedürfen keiner Steigerung. Wenn wir zwei- dreimal im Jahr ein Highlight dabei haben, ist das mehr als genug. Ich kann mich in der letzten Zeit an keine einzige TE erinnern, bei der ich mich irgendwie gelangweilt fühlte oder die irgendwie nur Mittelmaß war.


    Wie sind auf einen sehr guten Weg. :8: