Schlechte Vorzeichen
Eigentlich hätte dies der Anfang eines schönen Wochenendes sein sollen - ich hatte mir extra einen Porsche von meinem befreundeten Piloten geliehen, mit dem ich die Anfahrt nach Italien zu meinem Austauschwochenende bei der 47ten in Aviano so richtig geniessen wollte - offen durch die kurvigen Straßen der Dolomiten, fast so gut wie im Tiefflug (oder wie Nik sagen würde, fast so gut wie auf zwei Rädern)
Wie auch immer, daraus wurde nichts. Das Wetter war mies und die Berge in den Wolken kaum zu sehen, ebenso klangen die Nachrichten im Radio nicht sonderlich beruhigend. Es wurde von massiven Manövern berichtet, und unzähligen Reden, Appellen, Aufforderungen, Resolutionen, Diskussionen zu
Resolutionen, und Meinungen zu Diskussionen zu Resolutionen.. der ganze übliche Rotz. Die ganze Welt redet und redet, und am Ende hängt es doch wieder an uns, die es dann richten müssen.
Ich traf gerade rechtzeitig zum Briefing in Aviano ein, die Maschinen wurden schon vorbereitet, es war eine große CAP-Mission angesetzt. Man spürte die Nervosität auf der Base, die Mannschaft glaubte nicht so recht an einen Routineeinsatz - Im Briefing mussten daher noch kurzfristig einige Slots geändert werden. Dann hatte die Maschine meines Wingmans Korbi noch Softwareprobleme, aber wir kamen dennoch sauber und koordiniert in die Luft.
Einmal über der Wolkendecke, meldeten wir uns bei Awacs "Batman" an - die ruhige, professionelle Stimme auf UHF vermittelte das gute Gefühl, daß man, trotzdem man zuvorderst an der Front steht, trotzdem nicht ganz alleine ist. Leider waren die knappen, präzisen Ansagen von Batman dann plötzlich doch alles andere als beruhigend. Auf der gesamten Breite der CAP-Area war Aktivität zu verzeichnen, und plötzlich ging alles ganz schnell. Wir kamen kaum dazu, ein counterrotating CAP aufzubauen, als MiGs das Thunder 4 three-ship links neben mir angriffen, dann MiGs aus dem Süden, die bis auf WVR-Reichweite herankamen. Dann zu guter letzt auch noch MiGs im Norden zwischen uns und Thunder 4. Dadurch fanden wir uns in einem Furball zwischen Ice, Bike, Marvel, Korbi und mir wieder, dazwischen zwei Mig-29, die dank unserer Feuerdisziplin trotz des übersättigten Funk-Kanals die einzigen aus dem Furball waren, die den Heimweg zu Fuß antreten mussten.
Paintball
Wir sahen am Rande des Radar-Erfassungsbereichs noch einige weitere Migs und Bomber, als der Befehl kam, in Ljubljana zwischenzulanden und Sprit aufzunehmen. Einigermaßen erstaunt, aber im sicheren Vertrauen, daß eine Ablösung übernehmen würde (das HQ hatte doch sicher eine getaskt?)
Ein Schlag in den Nacken war allerdings dann die Instruktion, nach Peretola bei Rom zu fliegen, denn alle anderen wesentlichen Airbases seien durch Bomberangriffe nicht benutzbar. Sicherlich nur eine Vorsichtsmaßnahme?
Peretola
Die Schwere der Situation war noch nicht bis zu uns durchgedrungen - wir hatten uns die Zeit im Rückflug noch mit Formationen vertrieben, und waren direkt nach der Landung noch ganz auf die zwei verunfallten Maschinen konzentriert. Nach dem wir unsere Maschinen geparkt hatten, erfuhren wir im Debrief, wie weit die balburischen Kräfte in ihrem "Manöver" nach vorne gedrungen waren.
Es scheint ganz so, als wenn mein Wochenende in Aviano jetzt zu einem unbestimmt verlängerten Herbsturlaub in Rom wird.
Die Tatsache, daß wir uns hier alle erst mal von der Zahnbürste bis zur Unterhose alles neu organisieren müssen, scheint noch das kleinste Problem zu sein. Ich würde gern erstmal wissen, ob das Personal in Aviano noch rechtzeitig rausgekommen ist, naja, und den vor dem NRF Staffelgebäude geparkten Porsche werde ich wohl auch nie wiedersehen…