Hier noch mein Debriefing, für einmal aus einer etwas anderen Perspektive:
Immer noch verschwitzt stieg ich die steile Treppe vom Tower Aviano hinunter. Was ich in dieser Nachtschicht im Approach Sektor erlebt habe, hätte ich im Traum nicht gedacht. Kurz vor Schichtende starrte ich müde auf den Radarscreen und war in Gedanken schon auf dem nach Hause Weg, als sich plötzlich EAGLE21 auf meiner Frequenz meldete.
„EAGLE21, two ship F16, 50 miles southeast of the field for landing.“
Stimmt. Nach meiner Pause um 0500 Uhr sagte mir mein Kollege, dass gerade noch 8 F-16 Richtung Adria für einen Spezialeinsatz gestartet seien. Die kommen wohl jetzt wieder zurück.
Ich versuchte mich mental wieder wach zu machen und führte den EAGLE-flight direkt Richtung Base Runway 05. Kurz darauf kam schon der nächste Flight auf meine Frequenz.
„Aviano Approach, GHOST31 two ship F16, request vectors for landing and we are short of fuel“.
Die GHOSTs passten perfekt in die Sequenz und so führte ich sie knapp hinter den EAGLE-flight zur ILS 05. Jetzt einfach keinen Fehler machen und nicht unnötig Meilen verschenken, dann reicht es für die GHOSTs ganz gut bis zur Landung.
Kaum hatte ich mir diese Situation zurecht gelegt, kam schon der nächste Check-in auf der Frequenz.
„Aviano Approach, COBRA11 two ship F16 for landing with critical fuel state, please no further delay!“
Jetzt war ich definitiv wach und mein Adrenalinspiegel stieg deutlich an. Im Flugplan sah ich, dass die COBRAs Doppelsitzer waren und die durften jetzt wirklich nicht in’s Holding. Ich drehte die COBRAs hinter die GHOSTs, liess sie sofort absinken und dachte mir, dass nun vorne bei den EAGLE und GHOSTs nichts schief gehen darf, sonst würden mir die Jets gleich reihenweise mit leerem Tank vom Himmel fallen.
Vorsichtshalber erweiterte ich die Range am Radar um zu schauen, was denn da alles noch daher kommen könnte. Nicht sonderlich überrascht entdeckte ich ca. 15 Meilen hinter den Doppelsitzern BLACK42, welcher einen unheimlich grossen Geschwindigkeitsvektor angezeigt hatte. Er hatte es wohl sehr eilig und es erstaunte mich daher nicht, als sich kurze Zeit darauf BLACK42 mit folgendem Spruch anmeldete.
„Aviano, BLACK42 single F16, request immediate landing, I have only 800 pounds fuel left!“
Der Plan war nun schnell klar. Niemand konnte in’s Holding, kein Flugzeug konnte aufgrund der Position vorgezogen werden und alles musste nun perfekt aufgehen! Go around war keine Option!
Alle auf der Frequenz spürten nun förmlich, dass jetzt trotz einem langen und ermüdenden vorhergehenden Einsatz höchste Konzentration gefordert war.
Im Sekundentakt schossen meine Anweisungen in den Äther und diese wurden ebenso zackig von den Piloten bestätigt. Alles funktionierte wirklich wie am Schnürchen und trotz der situationsbedingten Anspannung, blieben alle auf der Frequenz ruhig und gelassen.
Nach 20 Minuten war der ganze Spuk vorbei, sieben F16 landeten sicher auf der Aviano Airbase und kurz nach dem letzten Touchdown setzte sich meine Ablösung an den Radar-Arbeitsplatz, kramte die Morgenzeitung hervor und richtete sich gemütlich auf die Wartezeit bis zur ersten Outbound-Welle in einer Stunde ein. Ich schüttelte verwundert den Kopf und verliess erschöpft den Kontrollraum.
Ich konnte jetzt nicht nach Hause fahren und so begab ich mich direkt zur kleinen Bar direkt neben dem Ausbildungsgebäude, wo ich die Piloten der 47th DragonFighter vermutete. Ich musste jetzt unbedingt erfahren, weshalb diese Teufelskerle mitten in der Nacht einen so anspruchsvollen Flug absolvieren mussten.
In der Bar sass bereits Viper alias EAGLE21. Bei einem kühlen Morgen-Bier erzählte er mir, dass sie kurz vor fünf Uhr Richtung Bihac geflogen sind. Dort wurde zuerst mal der Reihe nach ein Air to Air Refuelling durchgeführt. Auf Bihac vermutete man in Bunkern eingelagerte, geheime, balburische Lenkwaffen, die in einer Spezialoperation vernichtet werden sollten.
Als erstes mussten die COBRAs im Tiefstflug und unter AAA-Beschuss einen Recon durchführen, um herauszufinden, welche Bunker zerstört werden mussten. Die so designierten Ziele wurden dann von den EAGLE und GHOSTs mit GBU-39 beschossen und danach mussten COBRA11 und COBRA12 nochmals ins Zielgebiet für einen BDA. Dieser ergab, dass ein zweiter Bomb-Run nötig war, der dann auch perfekt von den Strikern durchgeführt wurde. Während der ganzen Zeit flog BLACK42 südwestlich des Zielgebiets einen CAP und sicherte so den Luftraum.
Die ganze Aktion war bis ins Detail durchgeplant und Dank der professionellen Ausführung aller Beteiligten war die Mission ein voller Erfolg.
Ich war hell begeistert von seinen Erzählungen und staunte, wie es möglich ist, nach einem 2 stündigen Flug noch einmal die volle Konzentration für den ILS-Anflug in schlechtem Wetter aufzubringen. Respekt.
Mit einem riesen Lächeln im Gesicht verliess ich so gegen 0800 Uhr die Bar und freute mich schon auf den nächsten Einsatz mit dieser tollen Truppe!
Gruss
Pitbull